Katholische Jugendagentur Düsseldorf

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Aktuelles

Am 07.12. 2017 findet wieder um 18:00 Uhr unser Adventsfenster in der Lottenschule statt.

HERZLICHE EINLADUNG an alle Kinder, Eltern, Lehrer und Interessierte!

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Sprache ist der Schlüssel

Jugendliche aus aller Welt kommen nach Deutschland

Viele, auch europäische, Länder der Welt befinden sich in einer tiefen Krise. Es fehlen Geld, Ausbildungsplätze, Frieden. Viele junge Menschen verlassen ihre Länder, suchen eine Zukunft, wagen einen Neuanfang, oder besser: Einen Anfang ins Leben.

Was bedeutet ein solcher Schritt. Schwer nachvollziehbar für uns. Deshalb ein Gedankenspiel: Stellen Sie sich vor, Sie gehen z.B. nach Norwegen, für immer. Irgendwie gelangen Sie nach vielen Abenteuern ins Land. Und hier beginnen Sie ein neues Leben, ohne Sprachkenntnisse, ohne Freunde oder Bekannte …

Bunte Gruppe im Sprachkurs

Im Rhein-Kreis Neuss sorgt der Jugendmigrationsdienst für junge Immigranten. Und dort, in einem Sprachkurs, treffe ich eine kulturbunte Gruppe aus der ganzen Welt. Da ist Ana aus Portugal, die hier eine bessere Zukunft sucht: „Weil in Portugal ist es nicht so gut für uns Jugendliche, dort gibt es nicht so viel Arbeit, nicht so viele Möglichkeiten, um unsere Zukunft zu verbessern. Hier klappt das besser, aber es ist nicht immer einfach.“ Ähnlich geht es Chari, der in Griechenland studiert hat, und nun hier Fuß fassen will: „In Griechenland gibt es momentan viel zu viele Arbeitslose, ungefähr 60% der Jugendlichen sind arbeitslos, und hier gibt es bessere Chancen und eine besser Zukunft.“ Und Jamil hat einen sehr triftigen Grund, aus Syrien hierher zu kommen: „In meiner Heimat ist Krieg.“

Hossen kommt aus Bangladesch. Wie er nach Deutschland gekommen sei? Hossen winkt ab. Das sei eine ganz andere Geschichte, die für ein Buch reiche.

Hilfe für junge Immigranten

Nun versuchen die jungen Leute, hier heimisch zu werden, Kontakte zu knüpfen, sagt Ana: „Für uns, die wir noch nicht so lange hier sind, ist es nicht einfach, Deutsche kennen zu lernen. Im Alltag treffen wir mehr Leute aus anderen Ländern.“

Erza kommt aus dem Kosovo. Ihr gefällt Deutschland und auch die Menschen hier: „Die Leute sind freundlich in Deutschland. Sie unterhalten sich mit mir, und wenn ich Hilfe brauche helfen sie. Sie erzählen mir, was ich machen kann.“

Die hilfsbereiten Leute, das sind vor allem die Leute des Jugendmigrationsdienstes. Und die suchen geeignete Ansatzpunkte, helfen z.B. bei Bewerbungsschreiben, dem Lebenslauf oder mit Sprachkursen. Aber vor allem helfen sie auch bei der Anerkennung ihrer Schul- und Berufsabschlüsse, zeigen mögliche Wege auf, Sprache und einen Beruf in Deutschland zu erlernen, um gut Fuß fassen zu können.

Die 19jährige Sabrina aus Portugal ist alleinerziehende Mutter. Und sie bekam eine wertvolle Unterstützung: „Weil im letzten Kurs hatte ich die Möglichkeit, meine Tochter in die Schule mitzunehmen und weiter Deutsch zu lernen. Ich konnte den Kurs weiter besuchen und habe B1 geschafft, und jetzt versuche ich B2.“

Das gibt Vertrauen

Eine solche Hilfe bewirkt eine Menge, zumindest bei Sabrina: „Es ist ein schönes Gefühl. Man fühlt sich nicht alleine, es gibt immer Leute, die da sind, um uns zu helfen.“ Ähnliches hat auch Aytin erlebt. Als sie aus Aserbaidschan hierher kam, da war sie zunächst hilflos: „ich konnte nichts sagen, keinen Kontakt knüpfen. Und als ich den JMD kennengelernt habe, habe ich dort viel gelernt. Das gibt Vertrauen.“

Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, das ist wichtig, um künftig auch ohne Hilfe sein Leben zu meistern. Damit das besser klappt gibt es die Sprachkurse. Denn die Sprache ist der Schlüssel für Integration, sagen Ana aus Portugal und Ivana aus Kroatien: „Wir bekommen Kontakte, wir können einfach in den Supermarkt gehen, alles lesen, kaufen, auch mit Leuten sprechen, und auch arbeiten.“ – „Ohne  Sprache geht nichts in Deutschland. Es ist schwer, sehr schwer, aber ich muss lernen.“

Sprachkurs der Schlüssel für Teilhabe

Und dann schafft man es tatsächlich, Arbeit zu finden. Der Einstieg in den Beruf geht, wie bei Erza aus dem Kosovo, über ein Praktikum: „Ich mache ein Praktikum in einer Förderschule, bis August. Im nächsten Jahr mache ich dort ein Freiwilliges Soziales Jahr.“

Und Jamil arbeitet im Sozialamt als Integrationslotse. Dort nutzt man seine Erfahrungen, um seine syrischen Landsleute in Neuss zu unterstützen. „Die wissen gar nichts von Deutschland, und die brauchen jemanden, der übersetzt, z.B. im Rathaus oder in der Ausländerbehörde oder im Job-Center.“ Und da ist er der richtige Mann. Denn er, und auch die anderen aus dem Sprachkurs, haben in sehr kurzer Zeit verblüffend gut deutsch sprechen gelernt!

Da ist das Geld, das der JMD in kirchlichen Stellen locker gemacht hat, gut angelegt. „Dieser Kurs ist eine Besonderheit“, sagt Caroline Di Totto vom JMD, „denn er setzt auf die normal staatlich geförderten Kurse auf und ist für die Teilnehmenden kostenlos. Damit reagieren wir auf die hohen Sprachanforderungen von Arbeitgebern und Unis.“

Und: alle sind eben hoch motiviert, alle möchten in Deutschland leben und arbeiten, und alle wollen am Ende die C1-Prüfung schaffen. Denn die Sprache ist, das bekommen sie hautnah mit, nicht nur der Schlüssel für einen Berufseinstieg sondern mehr noch der Schlüssel zur Teilhabe am täglichen Leben.

Der Schulparcours

sich ausprobieren

Die Turnhalle der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Grevenbroich: 16 Stationen des Schulparcours der Katholischen Jugendagentur sind aufgebaut, die Einblicke in unterschiedliche Berufe geben und an denen die 8.Klässler bestimmte Aufgaben erfüllen müssen.

Da formt ein Mädchen aus Knete eine Rosenblüte. „Das müssen Maskenbildner können“, weiß sie. „Ich will auch so etwas in der Art werden.“ Ein Junge sägt ein Stück Holz aus einem Vierkant, kein Problem für ihn: „Ich habe mir selber schon einen eigenen Bauernhof aus Holz gebaut. Das macht Spaß.“ Ein Mädchen dagegen sitzt vor Kabeln und soll sie so ordnen, dass eine Glühbirne Strom bekommt. Es klappt nicht. Die Erkenntnis: „Ich werde nicht Mechanikerin. Ich kann das nicht. Das sieht zu kompliziert aus.“

eine Entscheidungshilfe bei der Berufswahl

Der Schulparcours ist in Grevenbroich der handfeste Einstieg in ein Kontaktikum, einer Woche mit Betriebsbesichtigungen und theoretischen Einheiten zur Berufsorientierung. „Die Schüler sind auf dem Weg zum Jugendlichen. Dieser praktische handlungsorientierte Teil motiviert anders als eine reine theoretische Abhandlung“, sagt Wolfgang Hübner, Studien- und Berufsorientierer der Schule. „Das Gesamt-Paket wird den Schülern helfen, eine bewusstere Entscheidung für ihren zukünftigen Beruf zu treffen.“

Die Etage

Kooperation zugunsten von Kindern und Jugendlichen

„Wir haben miteinander zwei wichtige Projekte“, sagt Holger Lehnhoff, Leiter des Haus der Jugend in Neuss. „Beide laufen unter dem Titel ‚die Etage‘.“ Die beiden Projekte sind das „Abrahamhaus“ und Angebote in den Bereichen Sozialkompetenz und Berufsorientierung. „Wir machen die Sozialtrainings schon seit 2006!“ Das bedeutet, es gibt viele Erfahrungswerte, ähnlich wie bei der Katholischen Jugendagentur. Hier lohnt sich die Zusammenarbeit. Und für Holger Lehnhoff ist es eine Bestätigung der guten Arbeit, dass die KJA auch finanziell einsteigt.

Die Kooperation bietet Vorteile für alle

„Da die KJA ähnliche Trainings macht können wir uns konzeptionell abstimmen und uns mit weiteren Angeboten ergänzen.“ Kontakte z.B. zu Schulen haben beide, beide wollen sowohl in Schulen und in der Offenen Jugendarbeit ihr katholisches Profil zeigen, und das Haus der Jugend braucht für die Politik einen starken Partner. „In den politischen Diskussionen in Neuss können wir als einzelner kleiner Verein nicht mehr bestehen. Und mit einer einfachen Absichtserklärung komme ich in der Politik nicht weiter.“

Eine Kooperation, die sich also lohnt, und die in einem Faltblatt mit dem entsprechenden Titel „Wir verknüpfen“ als Angebot zusammengefasst ist.