ein Artikel von Katharina Kaul
„Praxissemester im Cafe Leichtsinn – was machst du da
eigentlich?“ Das habe ich mich zu Beginn meines Praxissemesters gefragt, bin ich
aber auch oft gefragt worden. Die Antwort ist nicht immer so einfach. Cola ausgeben und spielen
eben – aber ist es das wirklich?
Mitten in der Umbruchphase von Cafe Leichtsinn
zu Ehrenamtler-Café und Projekt Inklusion beginnt meine Arbeit im Café. Ich erlebe
direkt in den ersten Tagen das volle Programm – von „Anträge formulieren“ über
„Latte Macchiato schichten“ zu „Leiterspiel spielen“. Ich frage mich, was
ich eigentlich schwieriger finde. Ich muss erst einmal herausfinden: Was bedeutet eigentlich
Inklusion? Und was bedeutet es für das Café? Was machen wir bereits automatisch richtig? Was muss
dringend verändert werden? Was kann warten?
Inklusion bedeutet auszuhalten, dass Besucher über eine fehlende Salami-Pizza völlig die
Fassung verlieren; auszuhalten, dass mein Chorgesang-geschultes Gehör dem schiefen, aber nicht
weniger lauten Gequietsche von Sing-Star zuhört und das auch noch gegenüber anderen Gästen
verteidigt. Aber eben auch, dass das Gequietsche nur zehn Minuten in Ordnung ist, und dann auch die
anderen Gäste ein Recht auf eine schmerzfreie Umgebung im Café haben, und das zu einem erneuten
Frustrationsausbruch seitens des engagierten Sängers führt.
Inklusion bedeutet, dass ich das Leiterspiel spiele, dass ich aber auch nach dem
5. Durchgang sagen kann, dass ich kein 6. Mal mehr spielen möchte, dass ich gerade noch der tollste
Mensch war (Salami-Pizza, schön dunkel!) und jetzt eben nicht mehr, weil ich verboten habe, dass
man sich das Gesicht im Gläser-Becken wäscht. Wir geben eben nicht nur Cola aus, sondern hören zu,
auch wenn wir die Geschichte kaum noch ertragen, weil wir sie zum mindestens siebten Mal heute
hören. Wir tauschen das „Mensch-ärgere-dich-nicht“ gegen eines mit magnetischen großen
Holzfiguren, und sehen, dass unser Gedanke funktioniert, dass alle gemeinsam damit spielen können,
weil nicht mehr bei jedem Würfeln die Püppchen durcheinander fliegen (und ein erneuter Konflikt
folgt).
Gleichzeitig beschäftigen wir uns also mit dem Begriff der Nachhaltigkeit, damit unser
Projektantrag auch bestehen kann. Wir müssen uns ein Profil geben, damit wir uns auch in der
„Außenwelt“ präsentieren können. Wir jonglieren permanent mit Finanzbudgets,
Mitarbeiterfragen, Werbeartikeln, Umbaumaßnahmen und der Espresso-Nachlieferung, wissenschaftlichen
Fragestellungen zum Thema Inklusion und offener Jugendarbeit, Website-Aktualisierungen und der
Frage, warum ausgerechnet die Lieblingspizza heute aus ist, Latte Macchiato schichten und
Besucherstatistik.
Wir sehen, dass
wir auf einem guten Weg sind, dass wir viel richtig machen. Wir sehen, dass sich
eine Gruppe geistig behinderter Jugendlicher bei uns so wohl fühlt, dass sie ihren regelmäßigen
Treffpunkt zu uns verlegen, während am Nebentisch vier junge Mädchen ihre Jungs-Geschichten
austauschen und ein Jugendlicher einem neuen, jungen und behinderten Gast Billardspielen
beibringt.
Das alles und noch viel mehr passiert auf Grund unserer Arbeit, während wir Cola ausgeben und
Spiele spielen.
Und das kann eben nicht jeder!
Cafe Leichtsinn in Bergisch Gladbach
Junge behinderte Menschen nutzen seit Jahren das Café. Bisher geschahen dieser Besuch und die
daraus resultierenden Angebote aber auf eher zufälliger Basis.
Seit dem 30.06.2011 werden nun behinderte Jugendliche und junge Erwachsene durch einen
demnächst barrierefreien Zugang und neue pädagogische Angebote gezielt angesprochen und in ihrer
Freizeitgestaltung begleitet.
Behinderte und Nichtbehinderte können so das Café als "bunte Gemeinschaft" für ihre
Freizeitgestaltung nutzen.
Ansprechpartnerin ist Anne Skribbe
02202 93622-22
anne.skribbe@kjw-rheinberg.de
www.cafeleichtsinn.de