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Informationen zum Haus Altenberg

"So gehen wir in seinem Licht..." - die Jugendbildungsstätte Haus Altenberg

 

„So gehen wir in seinem Licht, wohin er uns wird senden und harren, dass der Tag anbricht, die Zukunft zu vollenden“, so lautet nicht nur der Titel der kürzlich erschienenen Chronik von Haus Altenberg, sondern dies sind auch die letzten Worte des Altenberger Wallfahrtsliedes, das der damalige Rektor von Haus Altenberg, Monsignore Winfried Pilz, 1977 neu gedichtet hat. In seinem Licht gehen, im Licht Jesu Christi durch die Zeiten gehen – damit ist auch sehr treffend die besondere Aufgabe der Jugendbildungsstätte Haus Altenberg in den vergangenen fast 95 Jahren beschrieben.

 

Ihre Entstehung verdankt sie dem Generalpräses des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands (KJMVD), Prälat Carl Mosterts (1874–1926). Auf der Suche nach einem Ort, wo er für die Vielzahl junger männlicher Kriegsheimkehrer ein Erholungsheim errichten konnte, in dem sie in ihrer konkreten physischen und seelischen Not Hilfe erfuhren, stieß er 1921 auf Altenberg und die Überreste des 1145 gegründeten und bis 1803 existenten Zisterzienserklosters, dessen bauliche Anlagen während des 19. Jahrhunderts verschiedensten Zwecken gedient hatten und zunehmend verfallen waren. Von der ehemals großen Klosteranlage, seit 1859 Eigentum des Erzbischöflichen Stuhles in Köln, standen nur noch kleine Reste. Doch weder der ruinöse Zustand noch ein Brand im August 1921, dem zwei Drittel der Gebäude zum Opfer fielen, konnten Carl Mosterts von seinem Plan abbringen. Trotz aller Widrigkeiten pachtete er die Anlage, die ihn vor allem wegen der direkten Nähe zum Dom „gepackt“ hatte. Mit Hilfe vieler Spenden und dem jugendfrischen Elan unzähliger freiwilliger Jungmänner gelang in den folgenden Jahren in mehreren Abschnitten der Wiederherstellung und Ergänzung und in „möglichster Übereinstimmung mit den alten Klostergebäuden“ der Aufbau von Haus Altenberg. Dieser Grundgedanke, aus der Vergangenheit Wege in die Zukunft zu weisen, leitete nicht nur Mosterts, sondern auch die Architekten späterer Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen bis in die Jetztzeit.

Parallel zum architektonischen Wiederaufbau der alten Klostergebäude versammelten sich ab 1922 regelmäßig Jugendgruppen in Altenberg. Neben der Erholung gab es Angebote zu Schulungskursen mit geistlichen, literarischen und sozial-staatsbürgerlichen Themen, von denen die Teilnehmer regelrecht durchglüht und begeistert heimkehrten. Als Carl Mosterts 1926 starb, wurde er in Begleitung von 300 Fahnenabordnungen zu Grabe getragen. Er hatte den Jungmännern in seiner ganzen Persönlichkeit imponiert, sie in ihrem tiefsten Wesen verstanden, ihre Probleme erkannt, mit pädagogischer Weitsicht und Organisationstalent Möglichkeiten und Freiheiten geschaffen und an sie geglaubt. Das ehemalige Kloster im Dhünntal, durch die Säkularisation in seiner Bedeutung unterbrochen, architektonisch wie spirituell seiner Identität beraubt, wurde durch Carl Mosterts und den Katholischen Jungmännerverband wieder mit religiösem Leben gefüllt, getragen auch von der sehr starken Entschlossenheit und Begeisterung katholischer junger Männer der frühen Weimarer Republik, ihre Kirche neu zu entdecken und neu zu gestalten.

Sein Nachfolger Ludwig Wolker (1887–1955) setzte ab 1926 einen neuen Anfang und entwickelte Haus Altenberg mit Scharfblick und der ihm eigenen schöpferischen Kreativität wirtschaftlich, personell und inhaltlich weiter und machte es zur zentralen Bildungsstätte des Jungmännerverbandes. Altenberg wurde eine nicht mehr wegzudenkende Größe der katholischen Jugendarbeit in Deutschland, für unzählige junge Menschen ein Begriff, ein geistiges und religiöses Zentrum. Parallel wurden der Dom und die Altenberger Madonna zum Ziel unzähliger Wallfahrten, die brennenden Kerzen unter der Muttergottes zum Symbol der Hoffnung. Diese Atmosphäre überdauerte auch die Zeiten der Bedrängnis und Überwachung während des NS-Regimes. Selbst als das Haus immer wieder geschlossen und schließlich 1942 enteignet wurde und damit der katholischen Jugend nicht mehr zur Verfügung stand, brach die innere Verbundenheit zwischen Haus Altenberg und der katholischen Jugend nie ab, machten Zusammenhalt, Gebet und Wallfahrt religiöse Orientierung in Altenberg weiterhin möglich.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war es wieder Ludwig Wolker, der in Altenberg einen neuen Anfang machte. Das noch als Altersheim genutzte und von der Not der unmittelbaren Nachkriegsjahre geprägte Haus Altenberg wurde Sitz der Bischöflichen Hauptarbeitsstelle für katholische Jugendseelsorge und Jugendorganisation in den deutschen Diözesen und „Herz und Mitte“ des 1947 gegründeten Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Altenberg und die katholische Jugendarbeit erlebten in diesem ersten Nachkriegsjahrzehnt eine neue Blüte, ein vitales Erwachen. Davon zeugt nicht nur die Vielzahl junger Katholiken, die an den Veranstaltungen und Wallfahrten in Altenberg teilnahmen, sondern vor allem der Brauch des Altenberger Lichtes, das als Zeichen des Friedens und der Versöhnung seit 1950 jährlich am 1. Mai von Altenberg in die Welt getragen wird.

 

Was 1945 notdürftig begann, wurde in den folgenden Jahrzehnten kontinuierlich fortgesetzt und ausgebaut. Nach dem Auszug der Hauptarbeitsstelle und des BDKJ 1954 und der Neuregelung der Rechtsträgerschaft behielt Haus Altenberg auch als Jugendbildungsstätte des Erzbistums Köln sein unverwechselbares Fluidum und seine Faszination auf Gäste jeden Alters. Die Gästegruppen des Hauses spiegeln bis heute alle Ansätze kirchlicher Jugendarbeit. Haus Altenberg hat dabei immer die Vielfalt bejaht – mit Zeiten großer Ausstrahlungskraft und eher konturlosen Phasen, denen neue Aufschwünge und pionierhafte Initiativen folgten. Vor allem aber hat es in Altenberg auch nach Carl Mosterts und Ludwig Wolker bis heute immer wieder verschiedenste Menschen gegeben, die hier gelebt und gewirkt, mit Begabung und Ausstrahlung Dinge angestoßen und angeleitet, das Haus mit Leben gefüllt haben – im Lichte Jesu Christi durch die Zeiten gegangen sind. So gingen von Altenberg in den vergangenen fast 100 Jahren immer wieder Aufbrüche aus, Initiativen einer jungen Kirche, den Glauben weiterzugeben und Verantwortung in Kirche und Gesellschaft zu übernehmen. Und deshalb hat das Erzbistum Köln 2011 mit der Entscheidung, die finanziellen Mittel für eine grundlegende Sanierung von Haus Altenberg zur Verfügung zu stellen, ein kraftvolles „Ja“ für die Zukunft der Jugendbildungsstätte gesprochen.

 

Die große Sanierungs- und bauliche Erneuerungsphase war aus mehreren Gründen notwendig geworden. Die verschiedenen Gebäudeteile der Jugendbildungsstätte entstanden in unterschiedlichen Epochen: Die ehemalige Kellerei im westlichen Teil des Gebäudes stammte noch aus der Klosterzeit, der Südflügel bestand aus der 1862/63 erbauten Erzbischöflichen Villa und einem Verbindungstrakt zum Westflügel, der im Zuge der neobarocken Wiederherstellung und Ergänzung der vorhandenen Bauten in den Jahren 1922 bis 1933 errichtet worden war. In den 1970er Jahren war der ehemalige östliche Kreuzgangflügel mit einem den Hof schließenden Funktionalbau überbaut und in westlicher Richtung mit der ehemaligen Erzbischöflichen Villa verbunden worden. Dadurch entstand ein neuer, an die Kreuzgangtypologie erinnernder Innenhof. Hinzu kamen weitere bauliche Zubauten nach Süden und Osten, die den Baukörper zunehmend überformten. Diese Baustruktur wurde den Anforderungen an einen zeitgemäßen Beherbergungsbetrieb immer weniger gerecht, zudem entsprachen Brandschutz, Fluchtwege und Barrierefreiheit nicht den geltenden Anforderungen.

 

Aus dieser Situation heraus entstand ab Jahresbeginn 2012 in Zusammenarbeit mit gernot schulz : architektur, dem Bauamt des Erzbistums Köln, Denkmalschützern und Bauforschern die Vision einer neuen, grundlegend sanierten Jugendbildungsstätte, deren Gebäudeensemble gestrafft und neu konzipiert werden sollte. Dabei sollte zum einen die spezifische Atmosphäre des „Haus Altenberg“ mit seinen „Flüsterecken“, Treppenhäusern, Fensternischen und Fluren bewahrt und zum anderen die Anlage auf die archaische Atmosphäre des ursprünglichen Klosterortes mit einer klaren, übersichtlichen Abfolge aus Gebäuden und Höfen zurückgeführt werden. Architektonisch positionierte man sich dabei zwischen historischen Bezügen, Elementen der Moderne, regionaler Baukultur und örtlichen Bau- und Handwerkstraditionen.

Nicht erhaltenswerter Bestand wurde abgerissen, Funde der Bauforschung wurden in den Ausbau der Gebäude integriert und in bestehenden und denkmalgeschützten Gebäuden wie der ehemaligen Kellerei, der neogotischen Erzbischöfliche Villa und dem barocken Priorshof wurde, wo immer nutzungsbedingt und bauordnungsrechtlich möglich, die Bauhistorie lesbar gemacht. Neu hinzugefügte Baukörper wie z. B. der neue Goldene Saal und die darüber befindliche Kapelle folgen Spuren historischer Vorgängerbauten an dieser Stelle. Zudem wurden historische Elemente an alter Stelle reaktiviert, so der Haupteingang an der Westseite der ehemaligen Klosteranlage und ein neuer Umgang am Ort des Kreuzgangs des romanischen Ursprungsbaus des Klosters, der zudem eine Neuinterpretation der historischen Hoftypologie ermöglicht. An die bauliche Straffung schloss sich zudem eine grundlegend neu gedachte Einbindung der Jugendbildungsstätte in die Landschaft an.

Ein wichtiger Teil der Erweiterung ist der Neubau der Hauskapelle. Sie wurde an historischer Stelle erbaut, wo bereits die ehemalige Kapelle des Abtes des Klosters Altenberg stand. Sie bildet wieder eine neue „Mitte“ von Haus Altenberg und soll Antwort geben auf die Suche junger Menschen nach dem Inhalt des christlichen Glaubens heute. Da viele junge Menschen nicht mehr selbstverständlich religiös sozialisiert sind, erspüren sie beim Betreten der Christkönigskapelle intuitiv: Gott ist Licht (1 Joh. 1,5b). Das große geschwungene Fenster, in Maßwerk und Verarbeitungstechnik des Glases orientiert am großen Vorbild des Altenberger Domes, bildet das architektonisch bedeutendste Element der neuen Hauskapelle.

 

Seit annähernd einhundert Jahren ist Haus Altenberg ein Ort für junge Menschen, ein Ort, an dem sie frohe und stärkende Gemeinschaft erfahren, positive Glaubenserfahrung machen, sich für die Jugendarbeit vor Ort rüsten, ein Ort an dem sie miteinander beten, singen, diskutieren, feiern und wachsen und somit eine junge Kirche leben. Die Sanierung der Jugendbildungsstätte hat den Weg geebnet, dass Haus Altenberg auch in Zukunft ein Haus für junge Menschen bleibt, ein Haus der Kirche, ein Haus, das lebendig ist und auf den Spuren einer mutigen und bewegten Vergangenheit in eine kraftvolle Zukunft steuert.