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Haus Altenberg - Gestern - Heute - Morgen

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich darf Sie herzlich begrüßen zum Tag der offenen Baustelle in Haus Altenberg. Mein Name ist Tanja Junggeburth, ich bin Historikern und seit gut vier Wochen im Haus zuständig für die Ordnung des Archivs und die Aufarbeitung der Geschichte des Hauses.

 

 

Tauchen wir also ein in die Jugendbildungsstätte Haus Altenberg Gestern – Heute – Morgen. Bewusst stehen hier und heute nicht die Geschichte des Altenbeger Doms und des Klosters im Mittelpunkt, sondern die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Hauses, das es sich mit der Sanierung zum Ziel gesetzt hat, für Jugendliche Zukunft zu gestalten.

 

Werfen wir zunächst, um zu einem späteren Zeitpunkt des Vortrags die Zukunft von Haus Altenberg besser verstehen zu können, einen genaueren Blick auf die Klosteranlage, wie sie sich dem Betrachter im Jahr 1707 bot. Wir haben im Westen den Haupteingang, der das Kloster mit dem Ort verband. In Querrichtung zur Kirche verliefen früher drei Hauptgebäude: der Konversenflügel, die ungefähr mit der Westfassade des Domes abschließende große Prälatur und schließlich der Trakt mit Kapitelsaal und Dormitorium, der auf das südliche Querschiff zulief. Zwischen diesen drei Hauptgebäuden ergaben sich zwei Höfe, die wiederum nach Süden durch das Refektorium, die Wärmestube und einen großen Saal begrenzt wurden. Zwischen Prälatur und Dormitorium lag ein spätromanischer Kreuzgang, der alle vier Seiten des Hofes umschloss und das eigentliche Zentrum der Abtei, die Klausur, umschloss. Diesen Aufbau (Haupteingang im Westen, zunehmende Privatheit nach Osten) finden wir in vielen Zisterzienserklöstern – er ermöglichte es den Menschen, sich in einer Zeit, in der viele weder lesen noch schreiben konnten, intuitiv zurechtzufinden.

Soviel in aller Kürze zu den historischen baulichen Strukturen der Zisterzienserabtei Altenberg. Eine Zäsur in der Geschichte des 1803 mit dem Reichsdeputationshauptschluss säkularisierten Klosters bildete das Jahr 1920, als Carl Mosterts, zweiter Generalpräses des katholischen Jungmännerverbandes in Düsseldorf und Kölner Diözesanpräses, auf einer Fahrt nach Altenberg Tal und Dom für die katholische Jugend entdeckte. So kurz nach dem Ersten Weltkrieg war ihm die Situation junger Männer nur zu bewusst: Viele waren unterernährt, physisch wie psychisch kriegsversehrt. Seinen Plan, aus dem früheren Kloster für sie ein Erholungs- und Ferienheim zu machen, verwirklichte er 1922, als der Jungmännerverband das Gebäude langfristig vom Erzbistum pachtete.

 

Doch so rasch er seine Idee auch in die Tat umsetzte, so ernüchternd war der Start: Drei Tage nach der Übernahme durch den Jungmännerverband stand Mosterts vor einem Trümmerhaufen. Das stattliche Gemäuer war bis auf einige Reste an der Ostkante abgebrannt. Ortseingesessene Altenberger bewahrten sich über viele Jahre den Verdacht, dass hier Brandstifter am Werke waren.

Mosterts aber ließ sich – selbst vor dem Hintergrund der erdrückenden Inflationsjahre – nicht entmutigen und die Ruinen im neobarocken Stil wieder aufbauen und ergänzen – durch Spenden, die er u. a. in den USA sammelte, den Verkauf von Altenberg-Karten und den unentgeltlichen Arbeitseinsatz handwerklich Erfahrener. Nachdem für die Gäste zunächst notdürftig Strohlager eingerichtet worden waren, gab es 1926 schon wieder 25 Betten und für Wanderer 40 Nachtlager. Im Bild sehen Sie auch die 1862/63 am Südrand des ehemaligen Kreuzgangs errichtete Erzbischöfliche Villa. Sie sollte ursprünglich als Ruhe- und Erholungssitz des Kölner Erzbischofs dienen. Tatsächlich wohnte hier von 1919 bis 1975 der katholische Pfarrer von Altenberg.

Für die Inneneinrichtung des Hauses holte Mosterts junge Handwerker – die so genannte Altenberger Werkschar, unter ihnen der seither unzertrennlich mit Altenberg verbundene Bildrahmer und spätere Domführer Eugen Heinen. Der Großteil der von ihnen geschaffenen Einrichtung ist der nationalsozialistischen Barbarei zum Opfer gefallen. Lediglich einige Stücke sind erhalten, sie befinden sich momentan in der Obhut des LVR-Amtes für Denkmalpflege.

Hatten Frauen in Haus Altenberg zu dieser Zeit – mit Ausnahme der Tätigkeit als Köchin, Küchenmädchen und Putzfrau (hier zu einem späteren Zeitpunkt gemeinsam mit Ludwig Wolker zu sehen) – lapidar formuliert „wenig verloren“, nahm man doch gern die Spende des Jungfrauenbundes an, der die Möblierung für ein Zimmer stiftete.

 

 

Der Jungmännerverband bedankte sich mit einer Widmung an der Wand des Zimmers:

„Mag auch der Mann die großen Zeiten bauen, es steht und fällt das Volk mit seinen Frauen.“

Carl Mosterts konnte in Haus Altenberg nur den Anfang machen, er starb bereits 1926. Sein Nachfolger wurde der bayerische Landespräses des Katholischen Jungmännerverbandes – Ludwig Wolker. „Der General“, wie der bayerisch-barocke Wolker oft genannt wurde, machte Haus Altenberg in den folgenden Jahren zum Zentrum der katholischen Jugendbewegung in Deutschland, zur „Reichsführerschule“, der zentralen Bildungsstätte des Verbandes.

 

 

Das Haus wurde ein nicht mehr wegzudenkender Faktor der kirchlichen Jugendarbeit in Deutschland, für unzählige ein Begriff, ein geistiges Zentrum für Jugendbewegung und religiöse Erneuerung.

1929 gründete sich in Altenberg z. B. die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg – ein katholischer Pfadfinderverband und heute der größte Pfadfinderverband in Deutschland. Ludwig Wolker durchdachte, änderte und entwickelte in der Spätphase der Weimarer Republik die Konzeption des Hauses in wirtschaftlicher, personeller und inhaltlicher Hinsicht weiter, pachtete 1927 den Priorshof als Jugendherberge hinzu und begann 1930 mit einem umfassenden Gesamtumbau, der dem Haus die Form gab, die es, von einigen Neuerungen der 1970er Jahre abgesehen, bis in die Gegenwart hatte. Geleitet wurde der Umbau vom Architekten Hans Schwippert, der u. a. auch das Bundeshaus in Bonn und den Innenraum der Sankt-Hedwigs-Kathedrale in Berlin neugestaltete. Am 1. Mai 1933 wurde das Haus in neuer Gestalt übergeben.

Der bergische Dom hatte sich bereits in den Anfangstagen des Hauses Altenberg zu einer besonderen Stätte jugendlichen Gottesdienstes und jugendlicher Verehrung entwickelt. Vollends Wirklichkeit wurde die Bezeichnung „Dom der Jugend“, als mit dem beginnenden Mai 1933 der Katholische Jungmännerverband das Licht unter dem Bild der Madonna entzündete und alle Gruppen und Vereine aufrief, einmal im Jahre das Gleiche zu tun und eine Kerze für den Dom zu opfern, damit die Flamme dort nie erlösche. Auf dieses Symbol des Altenberger Lichtes komme ich später noch einmal zurück. Das 800jährige Jubiläum der Abtei Altenberg, das im gleichen Jahr gefeiert wurde, bedeutete einen weiteren Höhepunkt und führte eine Welle von jungen Wallfahrern ins Tal.

 

1933 war aber auch und vor allem das Jahr der nationalsozialistischen Machtübernahme. Für das neue System war kirchliche Jugendarbeit im Allgemeinen und der unbändige Elan Altenbergs im Besonderen naturgemäß eine unerträgliche Provokation. Ob es einen direkten Zusammenhang gibt, ist bislang nicht geklärt, sinnbildlich ist es freilich schon: War der westliche Zugang zu Haus Altenberg und damit auch die Öffnung zum Ort 1929 noch „offen“, so ist auf Bildern von 1933 erkennbar, dass dieses Tor zugemauert und der Eingang an die „Alte Pforte“ verlegt wurde.

Zwar schloss das im Juli 1933 unterzeichnete Reichkonkordat die katholischen Jugendverbände von der völligen Gleichschaltung aus und ließ sie bis auf weiteres in ihrer alten Form fortbestehen, doch zugleich wurde ihnen untersagt, sich in irgendeiner Weise politisch zu engagieren oder politische Jugendarbeit zu betreiben. Um die Auslegung dieser Auflage gab es in den Folgejahren zahlreiche Auseinandersetzungen mit den Nationalsozialisten. So wurde auch Haus Altenberg bereits 1933 von Hitlers Leuten erstmals für einige Zeit „verschlossen und versiegelt“. Zwar konnte die Kurstätigkeit anschließend wieder aufgenommen werden, aber der Keim kommender Repressalien und der Totalitätsanspruch des Systems waren sichtbar geworden. In den folgenden Jahren war das Haus oft für mehrere Wochen, manchmal sogar für zwei bis drei Monate, insgesamt zwölfmal beschlagnahmt.

 

1938/39 schließlich wurden alle katholischen Jugendverbände verboten. Wir sehen hier im Bild einen Mitgliedsausweis des Katholischen Jungmännerverbandes. Die Beitragsmarken reichen nur bis zum Christkönigsfest 1937 – dem letzten Sonntag des Kirchenjahres und zugleich dem Bekenntnissonntag der katholischen Jugend. Bis heute übrigens feiert Haus Altenberg das Christkönigsfest als sein Patronatsfest.

Bereits seit 1936 hatte es in Haus Altenberg „nur“ noch „Exerzitienkurse“ gegeben – mit denen es freilich eine besondere Bewandtnis hatte. Gerade von diesen Jahren der „Bedrängnis und Bewährung“ heißt es immer wieder, dass die innere Freiheit nicht zu unterdrücken war, sondern dass ganz im Gegenteil hinter den Mauern des Hauses und des Domes eine hohe Zeit religiöser Besinnung begann, die unter Verbot und Schikane eher noch entschiedener wurde. Ludwig Wolker bezeichnete sich in diesem Kontext gern selbst als „Rufer von Altenberg“. Die Mitglieder des Jungmännerverbandes kamen als harmlose Wallfahrer aus allen Teilen Deutschlands, die Einladung für religiöse Werkwochen oder Exerzitien in der Tasche.

 

1939 wurde das Haus erneut beschlagnahmt und auch für Exerzitien nicht mehr freigegeben. Aus Köln-Mülheim wurden Ordensschwestern mit Kindern einquartiert, bei Ausbruch des Krieges wurde das Bensberger Priesterseminar mit dem damaligen Regens und späteren Kölner Erzbischof Frings für zwei Jahre nach Altenberg verlegt, weil das Haus in Bensberg für Lazarettzwecke beschlagnahmt wurde. Doch selbst in dieser härtesten Zeit kamen viele Jugendliche nach Altenberg, sie schliefen auf dem Speicher des Pfarrhauses oder in den Scheunen umliegender Bauernhöfe. Vor diesem Hintergrund wurde Haus Altenberg schließlich 1941 endgültig enteignet, die NSDAP stellte es der Gebietsführung der Hitlerjugend Köln als Führerschule zur Verfügung, die es nach und nach plünderte. Ungefähr ein halbes Jahr hat das Haus diesem Zweck auch gedient, bis die ersten schweren Luftangriffe auf Köln geflogen wurden und in Haus Altenberg – letztlich bis 1948 – das Altersheim Köln-Riehl untergebracht wurde.

Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes und dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Ludwig Wolker im September 1945 erstmals nach Altenberg zurück. Doch es war nicht mehr „sein“ Haus, sondern mit rund 200 alten Menschen belegt, überfüllt und verwahrlost. Die Ortseingesessenen jedoch waren zuversichtlich: „Wenn Wolker bleibt, kommt auch die Jugend wieder“. Und Wolker blieb. Er spürte sehr genau, dass eine neue Zeit angebrochen war, die neue Menschen und neue Wege erforderte – und stellte sich dieser Aufgabe.

 

Die Jugend dankte ihm seinen Einsatz: An einem Sonntag mitten in der Hungerszeit nach dem Zweiten Weltkrieg z. B. beteten und sangen einmal weit über Zehntausend Jungen und Mädchen im bergischen Tal und machten Altenberg zum Symbol einer gläubigen Jugend.

 

Im November 1945 richtete die deutsche Bischofskonferenz in Haus Altenberg die Bischöfliche Hauptstelle für Katholische Jugendseelsorge und Jugendorganisation in den deutschen Diözesen ein und beauftragte Ludwig Wolker mit der Leitung. Im Dezember desselben Jahres bezog er ein Zimmer im dritten Stock des Hauses – dem Olymp, noch bis vor dem aktuellen Umbau die Wohnung des Rektors. Nach und nach gewann er ein beachtliches Team von Mitarbeitern und im Haus immer mehr Platz. Insgesamt war die Zeit bis zur Währungsreform in Altenberg wie in ganz Deutschland vom „einfachen Leben“ der Nachkriegszeit gekennzeichnet.

Doch die materiellen Entbehrungen bildeten nur den Hintergrund für das vitale Erwachen der Jugendarbeit nach dem Krieg, den Hunger nach neuer geistiger Wegweisung, nach Glaubenserfahrung, nach der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten. 1947 z. B. nahmen rund 15.000 junge Männer des Kölner Erzbistums an einer Wallfahrt zur Madonna nach Altenberg teil.

 

Mit der Gründung des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend im März 1947, in dem erstmals Jungen und Mädchen gemeinsam organisiert waren, wurde Altenberg zum Sitz der Bundesführung (im Bild sehen Sie die Gründungsurkunde). Bis heute findet in Altenberg die jährliche BDKJ-Hauptversammlung statt.

Vieles trug und trägt seither den Namen Altenberg: Verlag Haus Altenberg, Altenberger Brief, Altenberger Dokumente, Altenberger Singebuch, Altenberger Rosenkranz, Altenberger Erklärung und nicht zuletzt das Altenberger Licht. Es entstand 1950 nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs als Zeichen der katholischen Jugend für Versöhnung und Frieden in Europa. Von Altenberg aus schickte man das Licht auf die Reise durch Deutschland, Europa und die Welt. Mitte der 1960er Jahre, nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der Atmosphäre der aufkommenden Studentenunruhen, stellte man die Feier des Altenberger Lichts ein, weil man überzeugt war, dass eine solche Form der liturgischen Feier nicht mehr angemessen war.

1980 entstand ein bis heute andauernder lebendiger Neubeginn. Jährlich kommen am 1. Mai ca. 3.000 junge Menschen aus dem In- und Ausland nach Altenberg, um das Licht zu empfangen und als Zeichen der Verbundenheit, Versöhnung und Zusammengehörigkeit jugendlicher Christen weltweit weiterzutragen.

Als die Aktivitäten in Altenberg und die Zahl der Mitarbeiter der Bischöflichen Hauptstelle immer mehr anwuchsen und unter dem Platzmangel die Intensität der Schulungsarbeit zu leiden drohte, war das für Ludwig Wolker Grund genug, ein neues, größeres Jugendhaus in Düsseldorf zu planen. Ende 1954 siedelte die Hauptstelle, das Hirn des Bundes, vollständig an den Düsseldorfer Carl-Mosterts-Platz über, das Herz aber ist bis heute in Altenberg geblieben.

Nähern wir uns nun in größeren Sprüngen der Gegenwart. Dieses Modell von 1975 zeigt, dass Haus Altenberg in den 1970er Jahren noch einmal signifikant sein Äußeres änderte: Unter dem Architekten Paul Georg Hopmann wurde von der Orgelseite des Domes herüber – auf den Grundmauern des alten Kapitelsaals – ein großer funktionaler Erweiterungsbau errichtet. Er beherbergte neben einem großen Saal (dem Kapitelsaal) weitere Tagungs- und Schulungsräume und schuf einen neuen an die Kreuzgangtypologie erinnernden Innenhof.

Im Zuge dieses Umbaus wurde der Eingang zu Haus Altenberg noch weiter vom Ort in die südöstliche Peripherie verlegt. Vor dem Baubeginn 1975 (Sie sehen die Grundsteinlegung rechts unten im Bild) erfolgten archäologische Grabungen. Dabei stellte sich u. a. heraus, dass auch in zisterziensischer Zeit dieser Trakt bereits ein Erweiterungsbau war und dass der älteste Teil des Klosters Altenberg im Bereich des Domladens zu suchen ist.

Hier befand sich ein Beherbergungstrakt, von dem man durch einen Arkadengang zur Kirche gelangen konnte. Diese Herberge war beheizbar, was im Mittelalter sehr selten vorkam. Das neue Pfarrhaus wurde im Zuge dieser Baumaßnahmen zwischen Haus Altenberg und der Orangerie errichtet, das alte Pfarrhaus in Haus Altenberg einbezogen.

Dies waren bis zur aktuellen Sanierung die letzten nennenswerten baulichen Änderungen im Gästebereich von Haus Altenberg. So präsentierte sich das Haus kurz vor dem Umbau (hier im Bild) nicht anders als auf dem Modell, das wir auf der letzten Folie gesehen haben.

 

Soweit zu den historischen baulichen Strukturen von Haus Altenberg. Blicken wir nun auf einen anderen Aspekt, der vielen Altenberg-Besuchern häufig nicht bewusst ist. Wer oder was verbirgt sich eigentlich hinter der Jugendbildungsstätte Haus Altenberg e. V. – so die vollständig korrekte Bezeichnung.

Als eingetragener Verein, der Haus Altenberg seit 1954 ist, verfolgt es den Zweck, die katholische Jugendseelsorge und die Jugendarbeit des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend zu fördern, primär durch Führung und Unterhaltung des im Eigentum des Erzbischofs von Köln stehenden Hauses Altenberg […] im Rahmen des abgeschlossenen Nutzungsvertrages.

Zu den Mitgliedern des Jugendbildungsstätte Haus Altenberg e. V. gehören neben dem Diözesanjugendseelsorger, der in Personalunion zumeist auch Rektor von Haus Altenberg ist, fünf Personen, die der Kölner Erzbischof benennt, sowie jeweils drei Personen, die der Diözesan-BDKJ und der Bundes-BDKJ benennen. Diese zwölf Mitglieder bilden die zwei Entscheidungsgremien von Haus Altenberg: die Mitgliederversammlung sowie den Vorstand.

Soweit zu den formalen Kriterien, wer oder was sich hinter Haus Altenberg verbirgt. Doch schauen wir noch etwas genauer hin. Die bauliche Anlage in Altenberg steht zwar im Eigentum des Erzbischofs von Köln, Haus Altenberg verfügt aber über eigene Personalhoheit. Insgesamt waren vor der aktuellen Sanierung 36 feste Mitarbeiter in Haus Altenberg beschäftigt; hinzu kamen vier Auszubildende. Haus Altenberg hat zudem eine eigene Finanzhoheit und einen eigenen Haushalt – verbunden natürlich mit dem entsprechenden Gewinn- und Verlustrisiko. Zu den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben des Hauses gehören der Altenberger Dom-Laden und der Parkplatz. Das Haus erhält zudem jährlich einen festen Zuschuss von der Abteilung Jugendseelsorge des Erzbistums Köln, den es in Form einer Preisreduzierung an katholische Gruppen weitergibt.

Um besser zu verstehen, welche Bedeutung Haus Altenberg bis heute für die Jugendseelsorge hat, werfen wir einen Blick auf das Jahr 2006, in dem 849 Gruppen mit rund 27.200 Gästen in Haus Altenberg zu Gast waren. Die rund 35.500 Übernachtungen erforderten etwa 33.000 Frühstücke, 38.500 Mittagessen, 27.300 Kaffee und Kuchen sowie 34.000 Abendessen. Insgesamt verbuchte das Haus ca. 70.500 Teilnehmertage. Die durchschnittliche Gruppengröße betrug ca. 32 Personen.

 

Wer verbirgt sich nun konkret hinter diesen Zahlen? Wir sehen, dass egal welche Bezugsgröße wir nehmen, primär katholische Träger das Haus nutzen – gefolgt von Schulen und evangelischen Trägern.

Welche Faktoren aber haben nun dazu geführt, dass sich das Erzbistum Köln als Eigentümer dazu entschlossen hat, Haus Altenberg umfassend zu sanieren. Zunächst ist die diffuse Baustruktur des Hauses zu nennen, das – wie wir gehört haben – über die Jahrzehnte immer wieder erweitert und teilerneuert wurde. Daraus resultiert, dass Haus Altenberg keine Mitte und keine Klarheit im Aufbau hatte, beides – wir erinnern uns – für zisterziensische Klöster ja eigentlich typisch. Diese Faktoren machten das Haus mit seinen zahlreichen Eingängen unkontrollierbar. Zudem fehlte eine gezielte Einbindung der Jugendbildungsstätte in den Ort.

Hinzu kam, dass die baulichen Anlagen von Haus Altenberg nicht mehr den heutigen Anforderungen an einen Gästebeherbergungsbetrieb entsprachen. Sie sehen beispielsweise hier im Bild die vor dem Umbau einzige Kühlmöglichkeit für Getränke und das bei den oben noch einmal eingeblendeten jährlichen Gästezahlen. Das führte dazu, dass im schönen Innenhof nicht selten ein hässlicher Kühlwagen stand. Der Platzmangel äußerte sich auch darin, dass Tische und Stühle häufig in den Fluren zwischengelagert werden mussten und so auch Fluchtwege nicht selten verengten oder verstellten.

Doch gerade die gesetzlichen Richtlinien für den Brandschutz sowie für die Gestaltung von Fluchtwegen haben sich in den letzten Jahren erheblich verschärft. Ansprüchen, denen Haus Altenberg – wie wir hier eindrücklich sehen – schon lange nicht mehr gerecht wurde. Das gesamte Gebäude muss daher den geltenden Anforderungen in Bezug auf Brandschutz angepasst und mit einer Brandmeldeanlage versehen werden. In vielen Bereichen müssen Fluchtwege verbreitert oder sogar neu angelegt werden.

Darüber hinaus sollte eine Jugendbildungsstätte nicht nur die Norm erfüllen, sondern auch Vorbildfunktion haben. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, muss nicht nur den gestiegenen Anforderungen an eine nachhaltige und effiziente Energienutzung Rechnung getragen werden, sondern Menschen mit Behinderung müssen ein weitgehend barrierefreies Haus vorfinden. In Haus Altenberg aber waren vor dem aktuellen Umbau viele Hausbereiche nicht barrierefrei erreichbar. Darüber hinaus wurden betriebliche Prozesse wie z. B. Wäschetransport, Reinigungsabwicklung, Müllentsorgung, Materiallogistik erheblich erschwert. Das Ein- und Abdecken von Kaffee und Kuchen in der ehemaligen Bibliothek im zweiten Stock erforderte beispielsweise jedes Mal rund 1,5 Personalstunden.

Im Haus gab es zudem vielfach ein ungeordnetes Nebeneinander von Tagungs- und Schlafräumen, was zwangsläufig zu Konfliktsituationen führte – insbesondere im Bereich der ehemaligen Kapelle, die auf einem stark frequentierten Flur lag, nämlich an einem der wichtigsten Übergänge zwischen den verschiedenen Gebäudeteilen. Besinnliche Ruhe zu finden, war oft sehr schwierig – auch wegen der gemessen an der Gästezahl deutlich zu geringen Kapazität. In den Schlafbereichen ist eine Verbesserung der Sanitärquote erforderlich. Neben einem gestiegenen Komfortanspruch und hygienischen Gesichtspunkten gilt es zudem, veränderten pädagogischen Erfordernissen gerecht zu werden. Dies betrifft den Anspruch an die technische Ausstattung sowie Anzahl und Größe der oft viel zu kleinen Tagungsräume.

Die Vorgeschichte der heutigen Sanierung reicht bis in das Jahr 1999 zurück, als im Erzbistum erstmals über eine Teilsanierung und Erweiterung von Haus Altenberg nachgedacht wurde. Vorgesehen waren damals u. a. der Abriss des Goldenen Saals und der Ladenanbauten, die einem Neubau im Innenhof weichen sollten. Ferner sollten Treppenhäuser ersetzt, zusätzliche Gruppen- und Schlafräume geschaffen, das Haus um einen Aufzug, eine Kellerbar und zusätzlichen Lagerraum für den Dom-Laden ergänzt werden.

 

Schaut man sich diese Auflistung genau an, merkt man schnell: Hier war eine Teillösung für punktuelle Probleme angedacht, nicht aber eine umfassende Lösung und Sanierung des Hauses, die all die eben geschilderten Mängel behoben und das Haus für die Jugend zukunftsfähig gemacht hätte. Nach intensiven Diskussionen und begleitet vom Unverständnis Vieler, lehnte Haus Altenberg 2001 die geplanten Maßnahmen ab: Zum einen wollte man keine Baustelle während des Weltjugendtags (damals noch für 2004 geplant), da ja hier in Altenberg u. a. die Liturgiegruppe untergebracht war, zum anderen oder besser vor allem kritisierte man, dass die geplanten Maßnahmen eben nur punktuelle Lösungen für einige Einzelprobleme boten, letztlich aber noch keine abgeschlossene Meinungsbildung zum Profil und zur Zukunft von Haus Altenberg stattgefunden hatte.

Und genau dieser Meinungsbildungsprozess wurde 2001 angestoßen – zunächst intern in Haus Altenberg und dessen Gremien, dann in Abklärung mit dem Erzbistum Köln, schließlich verifiziert durch einen externen Gutachter, die Firma Krause & Böttcher Bildungsstätteberatung.

Das Ergebnis war eine Prioritätensetzung, die an erster Stelle die Notwendigkeit sah,

  • Anzahl, Art, Umfang und Beschaffenheit der Gruppenräume anzupassen,
  • zweitens Tagung und Übernachtung dort, wo es möglich ist, zu trennen,
  • drittens für die Gäste mehr Freizeitkapazitäten zu schaffen,
  • viertens das Haus dort, wo es möglich ist, barrierefrei zu gestalten, um nicht zuletzt auch die betrieblichen Abläufe zu optimieren und
  • fünftens die Sanitärquote zu verbessern.
  • Unbenommen von jeder Prioritätensetzung galt es freilich, geltende Sicherheitsstandards und Vorschriften zu erfüllen, d. h. umfassend zu sanieren.

Als feste Determinanten für mögliche Konzepte galten die Bettenzahl, die nicht signifikant verändert werden sollte, die unabänderliche Lage des Dom-Ladens sowie die Tatsache, dass sich das Haus nicht nennenswert nach außen ausdehnen wollte – zum einen, um das Landschafts- und Ortsbild nicht zu verändern, zum anderen aufgrund betrieblicher Faktoren.

Aufbauend auf dieser intensiven Grundlagenermittlung entstand die Idee einer Straffung und Neuformulierung der Klausuratmosphäre des Hauses Altenberg mit einer ablesbaren Raumfolge aus Gebäuden und Höfen. Bewusst soll in Zukunft atmosphärisch an die Klosterhistorie erinnert werden, ohne eine angemessene „Robustheit“ des Jugendgästehauses zu negieren. So sah dann nach vielen Jahren der Überlegungen und Planungen eine der ersten Skizzen des Architekten Joachim Schwister aus, deren einzelne Komponenten wir uns nun im Detail anschauen wollen.

Der wichtigste Punkt bei allen Planungen und Neukonzeptionen ist das große „D“, das sie hier im Plan sehen: das Zeichen für Denkmalschutz – ein Faktor, der zweifellos manches limitiert, aber eben oder gerade auch die Chance bietet, die Zukunft von Haus Altenberg aus der Historie zu denken, Bezüge zu historischen Raumanmutungen zu schaffen, regionale Baukultur sowie örtliche Bau- und Handwerkstradition zu integrieren.

Was ist nun im Einzelnen geplant? Zum einen wurde der als baulicher Fremdkörper in den Innenhof ragende Goldene Saal abgebrochen – eine Änderung, die nicht für alle langjährigen Gäste schmerzfrei ist, wurde der Goldene Saal doch auf seine Weise durch die Geschichte kostbar. So fanden hier beispielsweise historische Versammlungen wie die Gründung der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg oder des Deutschen Bundesjugendrings statt. So haben die Pfadfinder vor dem Abriss des Saals das dort verlegte Parkett behutsam aufgenommen und in ihrem Bundeszentrum in Westernohe teilweise wieder verlegt. Ein Stück der Geschichte Altenbergs lebt damit auch an anderer Stelle fort. Auch die alte Remise, das Wirtschaftsgebäude, das Küche und Speisesaal beherbergte, wurde abgerissen, ebenso wird die alte Hausmeisterwohnung in der während der Zeit des Umbaus die Verwaltung untergebracht ist zu einem späteren Zeitpunkt abgerissen.

 

An diese Abbruchmaßnahmen schließen sich zum einen Sanierungen bestehender Gebäudeteile an, die weitgehend entkernt werden, deren Fassade aber erhalten bleibt: der Bereich des Dom-Ladens, der gesamte Westflügel, der Südflügel einschließlich der Erzbischöflichen Villa sowie im Osten die Anbauten aus den 1970er Jahren. Zum anderen erfolgen einige Neubauten, die eine wichtige Gelegenheit bieten, sowohl den veränderten Gästeanforderungen zu entsprechen als auch die betrieblichen Anforderungen optimal aufeinander abzustimmen: Ein neuer Querflügel entsteht an der Stelle, an der sich zur Zeit des Klosters die so genannte neue Abtei befand. Der bisherige Innenhof wird durch den Neubau in zwei Höfe aufgeteilt. Der vordere Hof (Empfangshof) wird zukünftig ein mehr öffentlicher Innenhof für alle Altenbergbesucher, der zweite Innenhof (Kapellenhof) bleibt – entsprechend des früheren nichtöffentlichen Klosterbereichs – den Gästen von Haus Altenberg vorbehalten. Denn dieser Neubau birgt als neuen Mittelpunkt des Hauses im ersten Stock die neue Christkönigskapelle. Im Süden entstehen ein neuer Freizeithof und eine neue Remise, in der nicht nur Küche, Speisesaal und Hauswirtschaft, untergebracht werden, sondern auch vier Gruppenräume, weitere Gästezimmer und die Verwaltung.

Bereits abgeschlossen ist die Kernsanierung der barocken Orangerie. Zu Blütezeiten des Klosters für die Überwinterung von Südfrüchten bzw. exotischen Pflanzen genutzt, später Wohnung des Altenberger Kantors und Organisten und zuletzt zunehmend dem Verfall preisgegeben, beherbergt das Gebäude nun nicht nur einen Tagungsraum, sondern auch die Wohnung des Rektors von Haus Altenberg.

 

Und nun im Einzelnen noch etwas anschaulicher visualisiert.

Um das Haus wieder stärker in den Ort einzubinden, wird der Haupteingang zurück in das Ortszentrum verlegt. Zu diesem Zweck wird der Torbogen, der zu Zeiten des Klosters den Eingang in die Klostergebäude bildete, wieder geöffnet. Durch diese Maßnahme wird das Haus auch für die Besucher von Altenberg offener und transparenter.

 

 

Hier sehen Sie den teils sanierten, teils um einen Anbau erweiterten Westflügel von Haus Altenberg, der neben dem neuen Haupteingang zukünftig erstmals zentriert an einem Ort die Verwaltung sowie natürlich Tagungs- und Schlafräume beherbergt. In südlicher Richtung schließen sich die Neubauten für Küche, Speisesaal und Hauswirtschaft an.

 

 

Im Nordosten wird der Ostflügel, der den Kapitelsaal beherbergt, nach Süden erweitert. So entsteht ein neuer Hofbereich zwischen diesem Neubau und dem neuen Speisesaal, der zudem durch eine Terrasse an Attraktivität gewinnt. Dadurch haben zukünftig die Gäste einen neuen Freizeitbereich. Ebenso entstehen dort neue und notwendige Zimmer zur Übernachtung.

 

 

An der West- und Südseite des Innenhofes wird der alten Kellerei und dem Dom-Laden ein gläserner Umgang vorgelagert, der in gewisser Weise einem Kreuzgang ähnelt. Durch diesen Umgang kann zukünftig auch der Dom-Laden betreten werden, den Sie hier sehen. Damit wird erstmals die Zusammengehörigkeit des Dom-Ladens zu Haus Altenberg auch architektonisch deutlich wahrnehmbar.

 

 

Der zweite Innenhof, auch Kapellenhof hat ungefähr die Ausmaße des ehemaligen Kreuzganges. Er wird wie bereits erwähnt vorwiegend für die Gäste des Hauses zur Verfügung stehen.

 

 

Hier sehen Sie einen modellhaften Einblick in den neuen vergrößerten und lichtdurchfluteten Speisesaal, der durch die direkte Anbindung an zwei unterschiedliche Seminarräume zusätzliche flexible Erweiterungsmöglichkeiten bietet.

 

 

In einer modellhaften Nachtansicht schauen wir hier noch einmal auf den sehr schön erkennbaren neuen Mittelpunkt des Hauses: die Hauskapelle.

 

Erlauben wir uns nun noch einen kurzen Einblick in die zukünftigen Gästezimmer von Haus Altenberg. Zunächst sehen wir ein Gästezimmer, das im Ost- oder Jugendflügel des Hauses verortet ist. Es kann flexibel als Einzel- und Mehrbettzimmer genutzt werden. Die etwas geräumiger eingerichteten Zimmer im Westflügel des Hauses mit Blick in den Ort sind jeweils mit Dusche und WC ausgestattet.

Werfen wir schließlich noch einen kleinen Blick auf die Planung der Außenanlagen, für die zwei Faktoren maßgebend waren: zum einen der Dialog mit dem Ort durch die Verlegung des Haupteingangs zurück an die Westseite und zum anderen der Dialog mit der Landschaft, die harmonisch in das Gesamtkonzept eingebunden wird – nicht mehr durch den Autoverkehr am Haus entlang gestört wird und die wunderschöne Ostwiese mit einbindet.

Zum Abschluss noch ein kleiner Einblick in die Bauarbeiten – vom tagesaktuellen Stand können Sie sich bei einer Führung über das Gelände dann gern selbst überzeugen.

Im Rahmen der Sanierung von Haus Altenberg entstehen natürlich einmalige Möglichkeiten für Ausgrabungen und Bauforschungsprojekte im gesamten ehemaligen Klosterkomplex. Nach Abschluss der Sanierung und Auswertung der Funde wird es viele neue Erkenntnisse zum historischen Aussehen des Klosters Altenberg geben. Ein Teil der noch erhaltenen, aber in der Vergangenheit nicht sichtbaren, historischen Baustruktur wird zukünftig wieder sichtbar sein: so etwa die Arkadenbögen. Aufgrund verschiedener Baumaßnahmen ist Altenberg in den letzten Jahrhunderten immer höher aufgeschüttet worden, so dass die nunmehr freigelegten Arkadenbögen nur der sichtbare obere Teilbereich sind. Die Gründungen liegen mehr als 1,80 Meter tiefer im Boden.

Der Altenberger Dom-Laden ist ja bekanntlich in einem der ältesten Gebäudeteile untergebracht, welches aus dem 13. Jh. stammt. Es bildete in der Frühzeit einen Arkadengang, der diesen Trakt des Klosters mit der Kirche verband. Diese Arkaden bzw. vier davon werden im Rahmen der Sanierung, wie wir bereits auf den modellhaften Bildern sehen konnten, wieder geöffnet und von beiden Seiten sichtbar bleiben.

 

 

In diesem Sinne sind wir überzeugt, dass sich in Haus Altenberg auch in Zukunft für Jugendliche die Gelegenheit bietet, Gemeinschaft zu finden, Glauben zu leben und positive Erfahrungen mit der Kirche zu machen.

 

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.