JugendMusikWallfahrt nach Assisi und Rom 2.-9. Oktober 2015

Singend auf den Spuren des heiligen Franziskus

Einhundert junge Sänger und Musiker aus kirchlichen Jugendchören und –bands sind zur ersten JugendMusikWallfahrt des Erzbistums Köln gestartet. Die Wallfahrt, die die Jugendseelsorge gemeinsam mit der Kirchenmusik im Erzbistum Köln durchführt,  führt die jungen Leute in die Pilgerorte Assisi und Rom.

„Wir fahren zuerst nach Assisi, wandeln dort auf den Spuren des heiligen Franziskus, den sich unser Papst zum Namenspatron erkoren hat“, erklärt Jonas Dickopf, Referent für Musik in der Jugendseelsorge, die Idee. „Beide Franziskus‘, der Heilige wie der heutige Papst, stehen ja für das persönliche Engagement jedes einzelnen Christen, für aktive Nächstenliebe und Hinwendung zum Mitmenschen. Es wird sicher eine tiefgreifende Erfahrung, sich von diesem Geist am ‚Originalschauplatz‘ anwehen zu lassen“ ergänzt Dickopf.

 

Flashmob in Assisi und Mega-Abschluss in Rom

Nach ersten Musik- und Gesangsproben steht das große Franziskus-Fest am 4. Oktober in Assisi auf dem Programm. Die Stadt sei dann rappelvoll und die Pilger aus aller Welt wolle man mit einem Flashmob überraschen, so Dickopf.

Dienstags geht es weiter nach Rom, wo neben Sightseeing und jeder Menge Kultur die Generalaudienz des Papstes auf dem Petersplatz ansteht.

 

„Da freuen sich alle schon drauf, Papst Franziskus mal aus nächster Nähe zu sehen und vielleicht das eine oder andere Selfie mit ihm machen zu können“ weiß Dickopf von den Jugendlichen.

Vielleicht schon dort, bestimmt am letzten Tag ihrer Wallfahrt werden die Sänger auf die Ministranten aus dem Erzbistum Köln treffen, die ebenfalls im Rahmen ihrer Romwallfahrt in der ewigen Stadt unterwegs sind. Die gemeinsame feierliche Abschlussmesse mit Erzbischof Kardinal Woelki am 8. Oktober findet in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern in Rom statt. Fast zweieinhalb Tausend junge Christen werden dann die altehrwürdige Kirche füllen.

 

Fotos: Dieter Boristowski

T A G E B U C H

Es ist die erste Wallfahrt mit Jugendchören und -bands. Sie führt die 100 jungen Teilnehmer aus dem Erzbistum Köln nach Assisi und Rom. Projektleiter Jonas Dickopf versorgte uns mit Fotos und Eindrücken. Sein Urteil am Anfang wie am Ende:

"Die Stimmung ist gut, die Jugendlichen sind gut, die Leiter sind gut -

ALLES IST GUT!"

Einzug, Messe und Nachtwanderung in Assisi

Tagebuch I von Jonas Dickopf

+++ Die Busfahrt war anstrengend, aber reibungslos und die Stimmung insgesamt gut. Deutschland bei Sonnenschein verlassen, in Italien erstmal Nebel und Regen. Wetter mittlerweile gut. +++ Führung durch die Basilika San Francesco mit dem dort ansässigen Franziskanerbruder Thomas Freidel. Die Führung war wirklich sehr, sehr gut, informativ, unterhaltsam und äußerst charismatisch. Man hat ihm seine Begeisterung für Franziskus und seine Überzeugung, dass Franziskus topaktuell ist, in jeder Sekunde angemerkt. +++ Erste Probe, super Klang, sehr, sehr fitte Truppe - bis 19.15!!! DREI Stunden KONZENTRIERTER Probe. Sehr beeindruckend, die Jugendlichen. +++ Abends gemeinsame „Nachtwanderung“ durch Assisi hoch auf den Rocca Maggiore. Wir also, weil das Auto schlecht den Berg hochkommt, mit unserer Rollstuhlfahrerin (immer schön abwechselnd von kräftigen Jungs oder mehreren Mädels oder Mike geschoben), mit dem Equipment der Band und mit 10 Fackeln UND mit einem Polizisten als Geleitschutz (?!?) durch die wegen des Transitus-Festes schon ziemlich volle Altstadt. Quer über die Piazza delle Commune, wo ordentlich was los war mit Straßenküstlern, Mittelaltermarktständen und Pilgern und Touristen. +++ Oben angekommen auf der Rocca Maggiore erst mal der atemberaubende Blick auf das Lichtermeer von Assisi mit der spektakulär erleuchteten Festung im Rücken. Unser geplanter „Moment der Stille und Besinnung“ ein fällt ganz im Sinne eines perfekten Timings mit einem fetten Trommel-Konzert auf der Piazza delle Commune zusammen. Begleitet vom Jubel der Touristen. Quittiert mit Schmunzeln von uns. Die Dauertrommelei fördert nicht unbedingt die Besinnlichkeit,  aber das Abendgebet geht trotzdem mit guter Stimmung weiter und zu Ende. +++ Dann der Abstieg. Die Fackeln sind mittlerweile aus, das erste Wegstück, bis wir wieder innerhalb der Stadtmauern sind, ist daher ziemlich düster, aber die Jugendlichen singen fröhlich ihre Ohrwürmer von „Que sera“, über ABBA-Nummern und „Bobby Brown“ bis hin zu Taizé und „Wäre Gesanges voll unser Mund“. Kurz noch an der Gaukler-Party auf der Piazza delle Commune vorbei, dann alle zurück in die Unterkunft. Wein und umbrische Wurst für die Älteren und Leiter, die Jüngeren nehmen Chips und Weingummi als Betthupferl. +++

Franziskus-Messe und Flashmob-Knaller

 Tagebuch II von Jonas Dickopf

+++ Die Messe gestern Abend mit Mike war der Hammer. Superatmosphäre in der schlichten, kleinen alten Kirche Santa Maria Maggiore, in die wir alle ziemlich passgenau reingingen. Immer wieder kommen alte Italiener/innen rein und geraten in Verzückung. „Innovata“ wenn die Band rockt, „Bellissimo“ wenn der Chor singt. Mike predigt emphatisch über den Kindheitsohrwurm „Lauda to si“, und wie wir von Franziskus lernen können, nicht bei der Oberfläche stehen zu bleiben, sondern in wirklich allem, Mensch, Tier, Pflanze, jedem Gegenstand der Schöpfung Gott erkennen, weil er alles durchdringt und seinerseits alles erkennt. Franziskus habe Gottes Ihn-Anschauen in der Schöpfung gesehen und den Blick erwidert. +++ Zuvor ein doppelter Knaller: Zweimal Flashmob, einmal auf dem Vorplatz der Basilika Santa Chiara. Hier waren die Jugendlichen noch etwas schüchtern, aber die Leute waren trotzdem „geflasht“. Dann noch mal auf der belebten Piazza del Commune. Und hier haben wir dann richtig gerockt. Dutzende gezückte Handys, jede Menge runterhängende Kinnladen - Knaller! Die Jugendlichen danach natürlich voll im Adrenalin- und Endorphinrausch. +++

Med mitt öga se - wat is los?

Tagebuch III von Jonas Dickopf

+++ Der gestrige Tag war ein bisschen weniger „eventig“ als der Sonntag, aber kein bisschen weniger intensiv. Morgens wieder Probe, das Programm für die Abschlussmesse mit den Minis sitzt und entfaltet schon vollen Glanz. Und es wird um zwei ganz anders geartete Stücke erweitert: Die A-Cappella-Motette „Med mitt öga se“ und das Improvisationsstück „Himmelsklang-Cluster“. +++ Mit Impulsen zu Ideen von Franziskus und Klara machen sich die Jugendlichen auf, um San Damiano (hier hat Franziskus Jesu Stimme vernommen und hat die kleine Kapelle eigenhändig wieder aufgebaut) und Santa Chiara (hier hängt das Originalkreuz, aus dem heraus Jesus in San Damiano zu Franziskus sprach) zu besichtigen. Oder: Sie nehmen sich den Nachmittag frei, um einfach abzuhängen oder durch Assisi zu schlendern. Eine kleine Gruppe macht sich abends sogar noch auf den langen steilen Weg rauf zur Eremo delle Carceri - Franziskus' abgeschiedener Rückzugsort oberhalb von Assisi. Mit Einbruch der Dunkelheit kommen die 20 Wanderer an der Eremo an - und haben die letzte Einlasszeit gerade verpasst. Aber von schlechter Laune keine Spur, denn, so sagen alle: so anstrengend der Weg war, so schön war er auch. Wir singen gemeinsam am verschlossenen Einlasstor a cappella „Du lässt den Tag, o Gott, nun enden“ und machen uns dann die Ohrwürmer des Tages (von Kathi Stimmer bis „Barbie Girl“) vor uns hin jodelnd auf den Weg zurück zum Abendessen - wie immer hier mittags und abends mit Pastagang, Fleischgang und Nachtisch. Mjamjamjam. +++ Den Tag beschließt ein sehr stimmungsvolles Abendgebet mit einer „Sonnengesang-Massage“ in unserer Hauskapelle, in die wir alle gerade eben so gemeinsam rein passen. Danach geht die Party steil. Man sollte ja meinen, dass der Mensch irgendwann genug hat vom ständigen Singen. Nicht so unsere Jugendlichen: In zwei verschiedenen Räumen scharen sich große Gruppen um die Klaviere und anderen Instrumente und singen kreuz und quer alles, was ihnen grad in den Sinn kommt, von Chart-Hits bis zu John-Rutter-Motetten.

Wenn Engel (mit)reisen

Tagebuch IV von Jonas Dickopf

+++ Letzte Probe, sehr, sehr, sehr gesitteter und geradezu unheimlich reibungslos verlaufender Check-Out. Ferienwerk und Courtial rocken die Orga fett, wie wir Hiphopper sagen, aber auch die Jugendlichen haben all ihr Zeug perfekt gepackt und liefern es pünktlich und mit Markierungen für "Bus1" und „Bus2“ am vereinbarten Ort im Foyer ab. Hauspersonal und Busfahrer schaffen es mit Kleinbussen aus unserer zentral in der historischen Altstadt gelegenen Unterkunft raus zu den Reisebussen. +++ Nach der konzentrierten Vormittagsprobe ein letztes Mal gemeinsames Gebet mit Reisesegen. Wenn Patrizia sich nicht vertan hat, fliegt Erzengel Michael voran und bereitet den Weg, Gabriel fliegt hinterher und gibt uns wenn nötig einen Stubs, Uriel und Raphael fliegen mit und neben uns und geben Geleit. Schaunmermal! Amen.

Pastapower und Karaokespaß

Tagebuch V von Jonas Dickopf

+++ Nach dem Reisesegen läuft die Fahrt tatsächlich total rund und glatt. Einzig den riesigen Bus 1 in die winzige Einfahrt unserer netten Unterkunft „Casa Mater Mundi“ zu bugsieren erweist sich als komplex. Busfahrer Sherif regelt’s gelassen. +++ Bus 2 (etwas kleiner) geht geschmeidiger rein. +++ Schnell die Zimmer beziehen und chic machen zum „Römischen Abend“ im nahe gelegenen Restaurant „La Carovana“. +++ Dort gibt es hervorragende Pasta- und Gemüsegerichte und knuspriges Focaccia - und jede Menge Live-Karaoke mit unserer Band! Großer Spaß bis tief in die Nacht. +++

Papst und Petersdom, Flashmob, Flashmob, Flashmob, Eis und ÖPNV-Abenteuer

Tagebuch VI von Jonas Dickopf

+++ Die Knallharten frühstücken bereits wieder um 6, um sich die Papstaudienz zu geben. Genialerweise gibt es einen abgesperrten Block für alle Minis und alle Chorsänger des Bistums - großes Hallo und „ach du auch hier“. Dass dann da wirklich der Papst so nah an einem vorbeifährt und nicht etwa eine Madame-Tussaud-Figur mit Winke-Mechanik, fällt zunächst schwer zu glauben. +++ Aber dann fängt er an zu sprechen und hat den riesigen Petersplatz mit seinem Charisma unmittelbar im Griff. Viel Zeit gönnt er sich und uns dieses Mal allerdings leider nicht. Offenbar fordert die Familiensynode ihn ziemlich. +++ In der Kürze liegt aber eine uns durchaus willkommene Würze, denn wir müssen ja diesen Nachmittag über (in Kleingruppen) noch mal eben rasch alle Sehenswürdigkeiten Roms abklappern (außer Petersdom, der steht Donnerstagmorgen an). +++ Nachdem wir das erledigt haben, treffen wir uns in ausgelassener Stimmung auf der Piazza Navona für einen dritten Flashmob, nach den zweien in Assisi. Es ist eine ziemliche logistische Meisterleistung, die Instrumente und den Akku-Verstärker zu dem Plätzchen zu kriegen, gelingt aber. +++ Mike Kolb hat tags zuvor schon die Minis heiß gemacht, und auch wir quatschen tagsüber gnadenlos alle Kölner an, die wir sehen. Dank der T-Shirts und Schals sind die ja leicht zu erkennen. +++ Als wir mit dem Flashmob um 21 Uhr loslegen ist die Piazza Navona ziemlich fest in Ministrantenhand. Vier-fünfhundert sind bestimmt gekommen. +++ Die Akustik ist weniger entgegenkommend als in Assisi, aber der Funke springt trotzdem über. Touristen sind baff, überall werden die Smartphone und Kameras gezückt, sogar das Domradio ist gekommen und als die Ministranten fertig damit sind, unsere Performance ausgiebig zu bejubeln und zu feiern, hängen sie mit „Humba Humba Täterää!“ einfach selbst noch ein kleine Zugabe an. +++ Wir gönnen uns derweil ein Eis für alle und versuchen, uns mit 100 Personen in zwei Busse der ÖPNV-Linie 870 zu quetschen. DAS gelingt. Was NICHT gelingt, ist, dass diese Busse auch wirklich an unserer Haltestelle halten. Der erste Busfahrer schmeißt die eine Gruppe anderthalb Kilometer vor der Unterkunft raus, der zweite rast einfach daran vorbei. Bis 0.30 Uhr sind aber alle wieder irgendwie in der Casa Mater Mundi …  +++

Finale Grande

Tagebuch VII von Jonas Dickopf+++ Morgens wieder extrem frühes Frühstück, denn der Tag ist mal wieder pickepackevoll. Gut, dass unsere Jugendlichen solche Duracell-Hasen sind (mit VW-Käfer-Modul und im Dauerdynamitmodus). +++ Frühstück, Check-Out, mit ÖPNV zum Vatikan, rein in den Petersdom, rauf auf den Petersdom, raus aus dem Petersdom (derweil bin ich mit der Band und Eszter, Charlotte und Eva bereits in Paul vor den Mauern - Technikaufbau!), mit dem ÖPNV zurück zur Unterkunft, zwei Stunden Probe/Einsingen für die Messe, rein in die Reisebusse, ab nach Paul vor den Mauern, Soundcheck, und dann - endlich - große Messe, der Abschluss mit Kardinal Woelki. +++ Auftrag: 2200 Ministranten mittels Musik in Ekstase versetzen. Status: erledigt. Bravourös erledigt!!! +++ Die Jugendlichen liefern eine sensationelle Performance ab. Die Ministranten können sich fast nicht entscheiden, ob sie wie gebannt mit offenem Mund staunen, eine Träne verdrücken oder sich die Hände zu Bruch klatschen sollen. Der eine macht’s dann so, der andere so. +++ Dann Pastaparty für Minis und Sänger auf der Wiese neben St. Paul. Wir verabschieden uns relativ rasch, weil eine lange Fahrt vor uns liegt. +++ Die ersten zwei Stunden im Bus singen die Jugendlichen ihre Lieblingshits aus unserem Liederheft rauf und runter. Wohlgemerkt: SINGEN! nicht grölen. Es ist der absolute Hammer. Die sind ausgepumpt von der Woche, euphorisiert von der Messe, der Bus brummt, die haben kein Instrument, das sie stützt - und singen hier lupenrein die lieblichsten Melodeien. +++ Der Busfahrer greift zum Mikro und bittet, dass wir unbedingt auf gar keinen Fall aufhören sollen. Er habe in letzter Zeit ausschließlich eine Grönemeyer-CD rauf und runter und, noch schlimmer, italienisches Radio im Bus gehört - und das sei (auch wenn man das kaum glauben mag) NOCH grauenhafter als deutsches Radio (Domradio empfängt der Bus in Rom ja leider nicht …). Diesem Wunsch entsprechen wir gern. +++ Als anderthalb Stunden später langsam der Gesang verebbt, schalten wir den Bus-DVD-Player an. „Glauben ist alles“. Edward Norton ist ja echt cool, aber er hat keine Chance: Nach 20 Minuten schläft der ganze Bus (außer Busfahrer Sherif, zum Glück). +++ Die Rückreise hält leider mehr Stau parat als die Hinfahrt, aber die Stimmung bleibt gut. +++ Mit göttlichem Beistand schafft es alles Gepäck aus den Bussen in die Hände der müden Besitzer. Außer einem Handyladekabel. Guter Schnitt. +++ Jetzt lassen wir uns noch ein Weilchen vom High tragen und dann geht das Warten auf die nächste JugendMusikWallfahrt los …  +++

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