time out 2016 - page 13

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Aus dem Buch Jesus Sirach
Liebe aber wird in Ewigkeit nicht ausgetilgt, Barmherzigkeit besteht für immer.
(Jesus Sirach 40,17)
Ein kleiner Impuls:
Liebe und Barmherzigkeit sind schöne Worte und etwas, was sich jeder Mensch wünscht. Doch wenn
ich mich in der Welt umschaue, könnte ich angesichts der vielen schrecklichen Nachrichten, des Leids, der Trauer, der Not,
Angst oder Gewalt zu der Erkenntnis kommen, dass sie lediglich eine schöne Illusion sind, und die Realität der Welt leider
anders aussieht. Das war zu biblischen Zeiten nicht viel anders.
Dennoch sind in der Bibel viele Geschichten zu finden, die von Gottes Herzlichkeit, seiner Großzügigkeit und seinem
Erbarmen erzählen. So als gehörte es zum innersten Wesen Gottes, dass Er barmherzig ist. Und nur deshalb hat seine
Beziehung mit den Menschen eine Chance. Von Anfang an steht der Bund, den Gott mit seinem Volk geschlossen hat, auf
wackligen Füßen. Die Israeliten kommen mehrfach vom Weg ab, den Gott ihnen weist und der sie doch in die Fülle, ins
Glück und zur Vollkommenheit führen soll. Doch Gott nimmt seine Liebe, seine Heilszusage nicht zurück, nicht damals
und nicht heute. Erst seine Vergebung, immer und immer wieder, ermöglicht das Heil, dass er Israel und allen Völkern
versprochen hat.
Gott will, dass es allen Menschen gut geht; das Fundament dafür sind Barmherzigkeit und Erbarmen. Wenn das so einfach
wäre! Zeigt nicht die Erfahrung, dass ausgerechnet diejenigen ausgelacht, ausgenutzt und mit Füßen getreten werden, die
sich bemühen gerecht, einfühlsam, fürsorglich, warmherzig und hilfsbereit zu sein? Lohnt sich Barmherzigkeit? Müssen
barmherzige Menschen nicht mehr Leid ertragen? Dieser Grundfrage stellt sich auch Jesus Sirach und gibt in seinem
Buch, das zur Weisheitsliteratur der Bibel zählt, folgende Antwort:
Kein Mensch ist perfekt, jede und jeder hat seine Licht- und Schattenseiten, seine Begabungen und Fehler, Stärken und
Schwächen und seine Herausforderungen im Leben. Und jede/r geht damit anders um. Der ungerechte, rücksichtslose
und kalte Mensch hat nur scheinbar und oberflächlich Erfolg; sein Name, Macht und Prunk sind nicht von Dauer und geben
keinen Halt, wenn es im Leben wirklich drauf ankommt. Wahre Liebe dagegen kann nicht ausgelöscht werden, Frieden und
Freude auf dem tiefsten Grund der Seele geben Kraft zum Durchhalten, Treue und Gerechtigkeit sind wirklich nachhaltig
und tragfähig.
Der Lohn für die Mühe, für das Ringen um Barmherzigkeit, ist das Erbarmen Gottes. Dem Barmherzigen schenkt Gott, was
er schon lebt, sein Erbarmen. Dadurch nimmt er teil an der Vollkommenheit Gottes, an der ewigen Freude und wird am Ende
gekrönt - nicht mit einer Krone aus Gold und Samt, besetzt mit Edelsteinen und Perlen, sondern mit dem Glanz und der
Herrlichkeit des Herrn und reiner Liebe. Darum sagt Jesus in den Seligpreisungen: „Freuen dürfen sich alle, die barmherzig
sind – Gott wird auch mit ihnen barmherzig sein“ (Mt 5,7 GNB). Das Fundament und die Krönung unseres Lebens ist also
die Barmherzigkeit, der Lohn für unser Bemühen ist die Güte Gottes.
100%ige Barmherzigkeit wird es in dieser Welt nicht geben, Vollkommenheit winkt erst im Himmel, aber jeder kleine Schritt
macht die Welt ein wenig besser, heller und freundlicher und ist ein kleines Zeichen dafür, das Liebe und Erbarmen bis in
Ewigkeit bestehen. Das ist auch die Antwort auf die Frage: Warum soll ich überhaupt barmherzig sein? Weil Gott barmherzig
ist? Ja genau! Damit Gottes Reich schon jetzt, hier und heute beginnt – mit mir und dir!
In den kommenden Tagen bist du eingeladen, deine Beziehung zu Gott, zu anderen und zu dir selbst zu beleuchten und
dich damit zu beschäftigen, was Barmherzigkeit für dich ist.
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