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6. Tag (Freitag)
entgegen-KOMMEN
4. Vertiefen
Der Vater hat offenbar schon lange nach dem Sohn Ausschau gehalten. Innerlich bewegt, läuft er ihm
entgegen, mit offenen Armen und lässt Gnade vor Recht ergehen. Sein Kuss schenkt Vergebung, noch bevor der
Sohn etwas sagen kann – zu biblischen Zeiten ein ungewöhnliches Bild, fast schon ein Skandal. Ebenso
liebevoll geht der Vater auf den zweiten Sohn zu, lässt ihn nicht allein draußen vor der Tür stehen, wütend und
aufgebracht, sondern baut ihm eine Brücke. Wir erfahren von keinem der beiden Brüder, was sie in diesem
Moment fühlen, denken oder sagen würden.
Dieses Gleichnis erzählt von der Liebe Gottes, die ohne Wohlwollen, ohne Vergeben und Verzeihen nicht
auskommt, weil kein Mensch perfekt oder fehlerfrei ist. Gemeint ist damit jedoch nicht grenzenlose Toleranz
oder „Alles-Gutheißen“ frei nach dem Motto „lebe wie du willst“. Vielmehr ebnet die Güte Gottes mir den Weg
zur Umkehr. Weil er auf mich zukommt, kann ich mich annehmen wie ich bin und ihm von meinen Schwächen
und meiner Schuld erzählen. Seine Nachsicht ist dann keine „billige Gnade“, sie ist nicht bloß Reparatur oder
Schönfärberei, die meine Fehler übertüncht, sondern erneuert mich von Grund auf, verleiht mir Würde und
hilft mir selbst, anderen entgegenzugehen und ihnen zu verzeihen.
Gnade vor Recht ergehen lassen, das heißt für mich …
wenn Gott mir entgegenkommt, dann ...
5. Abschließen
Ich beende meine stille Zeit mit einem
spontanen Gebet oder dem Vater unser
und dem Kreuzzeichen.
Wenn Du magst, kannst du dir jetzt noch
ein wenig Zeit nehmen, um einige Gedanken
oder auch Fragen aufzuschreiben.
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