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Jugendpastoral von den
Armen her denken
Hintergründe, Projekte und Methoden
schriften der
jugendpastoral
im erzbistum köln
praxishilfe Nr. 3
JUNGE LEUTE HABEN
MEHR SCHULDEN
ALS FRÜHER
Quelle: GFK im Auftrag des Bundesverbands
Deutscher Banken; Basis: 2015 N=651,
2012 N=758 Jugendliche und junge
Erwachsene im Alter von 14 bis 24 Jahren
Verschuldung: Anteil der
14- bis 24-Jährigen in
Prozent, die überhaupt
schon einmal Schulden
hatten
2012
2015
78%
22%
69%
31%
NEIN
JA
Geld spielt eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft: Materielle Wünsche lassen sich
meist nur mit Geld erfüllen, Arbeit und Leistung werden danach bemessen und auch das
Dach über dem Kopf oder die Mobilität gibt es nur gegen Bezahlung. Werbung verspricht
viel, was angeblich alles für Geld zu bekommen ist und was man unbedingt braucht.
Werbebotschaften versuchen ein ganz bestimmtes Lebensgefühl zu vermitteln und
letztlich geht es immer darum, Jugendliche zum Kauf eines Produktes zu ermuntern.
Aber auch Freunde, Familie und andere Vorbilder setzen Maßstäbe und beeinflussen
das Konsumverhalten. Wie und was sie konsumieren beeinflusst die Vorstellungen
der Jugendlichen.
Es gibt kaum attraktive Freizeitaktivitäten für Jugendliche, die nicht mit Kosten verbunden
sind. Freizeit und Konsum gehören immer enger zusammen. Konsum hat eine bedeutende
identitätsstiftende Funktion und stellt Zugehörigkeit her. Deshalb ist es wichtig Jugendliche
Konsumwelten ernst zu nehmen und auf Fallen und Gefahren hinzuweisen. Jugendliche
müssen im Alltag Erfahrungen machen, die Werte von Dingen einzuschätzen und ihren
eigenen Etat zu verwalten. Geld lässt sich nicht unbegrenzt vermehren, aber bewusst aus-
geben. Dazu sollte man herausfinden, was einem wichtig ist. Möchte man etwas besitzen,
weil es alle haben? Ist es eine Sache wert dafür zu sparen und auf etwas Anderes zu
verzichten? Allein schon, sich für oder gegen etwas zu entscheiden fällt manchmal schwer.
JEDER FÜNFTE JUGENDLICHE HAT SCHON EINMAL SCHULDEN GEMACHT
Dass es schwer ist den Verlockungen des Kommerzes in den Innenstädten oder im
Internet zu widerstehen, zeigte 2012 eine Umfrage des Bundesverbandes deutscher
Banken: Demzufolge haben sich 22 Prozent der Jugendlichen schon einmal verschuldet,
wobei acht Prozent schon einmal mehr Schulden hatten, als sie zurückzahlen konnten.
Die Gläubiger waren dann meist Telefonanbieter, Händler oder die Eltern.
SHOPPING PER MAUSKLICK IST BESONDERS RISKANT
Gerade das bargeldlose Bezahlen, etwa im Onlinehandel, birgt für Teenager und junge
Erwachsene besonders große Risiken, in die Schuldenfalle zu geraten: Die angebotenen
unterschiedlichen Zahlungsmethoden wie per Nachnahme, Paypal, Kreditkarte oder
Einzugsermächtigung sowie die Option etwa zum 0-Prozent-Zinssatz einen Ratenkredit
abzuschließen, macht das Shoppen einfach und verlockend. Denn per Mausklick gibt
sich Geld um einiges leichter aus, als wenn es vor den Augen des Besitzers über den
Ladentisch wandert. So trübt die permanente Verfügbarkeit von Waren ohne
unverzügliche Bezahlung den Blick vieler junger Menschen für das, was sie sich
wirklich leisten können.
Maike Kluge und Daniela Müller, Katholische Jugendagentur Leverkusen,
Rhein-Berg, Oberberg gGmbH
Was kostet das Leben?